Biografien wichtiger politischer Akteure

Istvan Bibó studierte Jura in Szeged und als Stipendiat auch in Wien und Genf. Ab 1938 arbeitete er im Justizministerium. Während der deutschen Besatzung nutzte er seine Position im Ministerium, um Schutzpässe für Juden auszustellen. Er wurde von den Pfeilkreuzlern verhaftet. Im Februar 1945 bekam er eine Stelle im Innenministerium der provisorischen nationalen Regierung Ungarns. Er war an der Ausarbeitung des Wahlrechtsgesetzes und an der Vorbereitung der Wahlen am 4. November 1945 beteiligt. Aus Protest gegen die Zwangsaussiedlung der Deutschen aus Ungarn, trat er von seinem Posten als Innenminister zurück. Bis 1950 war er Professor an der Universität von Szeged. Ab 1950 arbeitete er als Bibliothekar in der Universitätsbibliothek in Budapest. Er beteiligte sich Ende Oktober 1956 an der Neuorganisation der Ungarischen Bauernpartei, die sich ab dem 1. November Petöfi-Partei nannte. Nachdem Bibó von seiner Partei für die Regierung von Imre Nagy als Minister nominiert wurde, erhielt er den Posten des Staatsministers. Während eines Besuchs in der amerikanischen Botschaft am 4. November ersuchte er die USA, für eine Kompromisslösung im Hinblick auf die ungarische Situation einzutreten.
Von der Botschaft fuhr er zum Parlament und blieb dort bis zum 6. November. Er verfasste mehrere Erklärungen. Der Zentralarbeiterrat von Groß-Budapest nutzte ein von Bibó verfasstes Papier als Verhandlungsgrundlage. Im Mai 1957 wurde er verhaftet und 1958 zu lebenslanger Haft verurteilt. 1963 ließ man ihn frei. Bis zu seiner Pensionierung arbeitete er in der Bibliothek des Zentralamtes für Statistik.
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Déry, Tibor (1894-1977)
Tibor Déry wurde am 18. Oktober 1894 in Budapest geboren. Bekannt wurde Déry mit seinem Roman „Lia“ der 1918 in der Zeitung „Nyugat“ erschien. Seit seiner Jugend war der Schriftsteller in der sozialistischen und kommunistischen Bewegung aktiv. Nachdem er in der Fabrik seines Großonkels 1918 einen Streik organisierte verlor er dort seine Stelle. 1919 trat er in die Kommunistische Arbeiterpartei ein. Während der Räterepublik war er Mitglied des Schriftstellerausschusses. Nach dem Sturz der Räterepublik emigrierte er nach Österreich, wo er in Wien Mitarbeiter der „Wiener Ungarische Zeitung“ wurde. Seit 1924 lebte er in Paris wo er als Geschäftsangestellter, Briefmarkenhändler und Sprachlehrer sein Brot verdiente. Nach seiner Rückkehr nach Ungarn 1926 wurde er Mitarbeiter der Avantgarde-Zeitschrift „Dokumentum“. Nach 1935 war er Redakteur der kommunistischen Zeitschrift „Gondolat“ („Der Gedanke“). Ab 1945 wurden seine Werke regelmäßig veröffentlicht. 1948 erhielt Déry den Kossuth-Preis. 1954 wurde er zu einem führenden Vertreter der oppositionellen Schriftsteller, die Imre Nagy unterstützten. Während der Debatte des Petöfi-Kreises über die ungarische Presseim Juni 1956 kritisierte Déry führende Persönlichkeiten der Kulturpolitik und wurde daraufhin aus der Ungarischen Arbeiterpartei (MDP) ausgeschlossen. Im September 1956 wurde er Mitglied des Präsidiums des Ungarischen Schriftstellerverbandes. Nach dem Ausbruch der Revolution versuchte Déry Imre Nagy davon zu überzeugen, das Standrecht aufzuheben und die Forderungen der Aufständischen zu akzeptieren. Während der Revolution war er Mitglied des Revolutionskomitees der Ungarischen Intelligenz. Mit anderen Schriftstellerkollegen forderte er die Entlassung der in die Sowjetunion deportierten Ungarn. Im April 1957 wurde er verhaftet und am 13. November 1957 zu neun Jahre Haft verurteilt. Durch eine Amnestie im Jahre 1960 kam Déry frei. Bis 1962 hatte er Publikationsverbot. Er starb 1977.
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Farkas, Mihály (1904-1965)
Mihály Farkas wurde am 18. Juli 1904 in Abaújszántó geboren. Er absolvierte eine Lehre als Drucker und fand früh zur kommunistischen Bewegung. Von 1920-1929 organisierte er als Mitglied der Tschechoslowakischen Kommunistischen Partei die Parteiarbeit in Košice. Wegen seiner politischen Aktivitäten verurteilte man ihn zu sechseinhalb Jahren Haft. Farkas war von 1930-1937 als einer der Leiter des Exekutivkomitees der Kommunistischen Jugendinternationale in Moskau tätig und kämpfte im Spanischen Bürgerkrieg. Auf Bitten von Mátyás Rákosi wechselte Farkas in die Ungarische Kommunistische Partei. Während des Zweiten Weltkrieges leistete er Frontdienst und beteiligte sich an der Propagandaarbeit des senders Kossuth. Im November 1944 kehrte Farkas zusammen mit Mátyás Rákosi und Ernö Gerö aus Moskau nach Szeged zurück, wo sie die Ungarischen Kommunistischen Partei neu gründeten. Als Mitglied des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei war Farkas für das Militär und die Polizeikräfte zuständig.
Seit September 1948 übte Farkas den Posten des Verteidigungsministers aus und forcierte den Aufbau der ungarischen Armee als Bündnispartner der Sowjetunion. Nach der Verhaftung von László Rajk rief Farkas zusammen mit Ernö Gerö und Mátyás Rákosi eine geheime Führungsgruppe ins Leben. Im April 1951 leitete er die Arbeit des Untersuchungsausschusses unter anderem im Falle von János Kádár, Gyula Kállai und später Péter Gábor und gehörte damit zu den Hauptverantwortlichen der stalinistischen Säuberungen in Ungarn. Zwischen Juni und Juli 1953 enthob man Farkas seiner Positionen. Diese Entscheidung wurde jedoch kurz darauf auf sowjetischen Druck revidiert und Farkas wurde erneut Mitglied des Parteiausschusses und sogar Leiter der Abteilung für Agitation- und Propaganda des Zentralausschusses der Ungarischen Arbeiter Partei.
Kurz darauf wandte sich Farkas gegen Imre Nagy und seinen Reformkurs und wurde dabei vollkommen isoliert. 1954 wurde er mit der operativen Aufsicht der Zeitung Szabad Nép beauftragt. Im November des gleichen Jahres begann József Darvas in der Zeitung auf Farkas´ Vorschlag mit der offenen Kritik an der Reformbewegung der Intellektuellen und Schriftsteller. Im April 1955 war Farkas nicht mehr Mitglied des Zentralausschusses der Kommunistischen Partei und wurde auf eine Militärakademie in die Sowjetunion geschickt. Ab März 1956 leitete der Zentralausschuss der Ungarischen Arbeiter Partei eine Untersuchung über seiner Rolle im Zusammenhang mit den Schauprozessen ein. In deren Ergebnis wurde Farkas aus der Partei ausgeschlossen und vom Armeegeneral zum Soldaten degradiert. Am 13. Oktober 1956 wurde er gemeinsam mit seinem Sohn Vladimir verhaftet.
Am 23. Oktober verbreitete sich die Nachricht, dass Farkas von Mitgliedern derÀVH ermordet wurde, die damit verhindern wollten, dass er andere an den Säuberungen beteiligte Mitglieder des Kommunistischen Regimes belastet. Diese Nachricht erwies sich später als falsch.
Im November 1956 bot die sowjetische Führung Farkas ähnlich wie Rákosi die Möglichkeit zur Emigration in die Sowjetunion an. Dies lehnte er jedoch ab. Am 23. März 1957 wurde er zu sechs Jahre Haft verurteilt. Am 19 April wurde sein Fall bereits wieder aufgerollt und diesmal wurde er rechtskräftig zu einer Haftstrafe von 16 Jahren verurteilt. Am 5. April 1960 wurde er begnadigt und freigelassen. Später arbeitete er beim Verlag Gondolat als Lektor für fremdsprachige gesellschaftswissenschaftliche Literatur. Er starb am 5. Dezember 1960 in Budapest.
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Gerö, Ernö (1898-1980)
Ernö Gerö kam während seines Studiums der Medizin in Budapest mit kommunistischem Gedankengut in Kontakt und wurde 1918 Mitglied der kommunistischen Partei. Nach dem Scheitern der Räterepublik in Ungarn floh er nach Wien, wo er sich politisch unter den dort lebenden kommunistischen Emigranten engagierte. 1922 schickte man ihn nach Ungarn zurück. Kurz darauf wurde er verhaftet und zu 15 Jahren Haft verurteilt. 1924 durfte er in die Sowjetunion ausreisen. Danach arbeitete er für die Kommunistische Internationale unter anderem in Frankreich, Belgien, Spanien und Portugal. Zwischen 1939 und 1941 vertrat er die Ungarische Kommunistische Arbeiterpartei in der Kommunistischen Internationale. Als Mitglied der Roten Armee leistete er Agitations- und Propagandaarbeit im „feindlichen Hinterland“ und unter den Kriegsgefangenen. Im November 1944 nahm er als Mitglied der Ungarischen Delegation an den Russisch-Ungarischen Friedensverhandlungen teil. Kurz darauf wurde er zusammen mit Mihály Farkas und Imre Nagy nach Ungarn zurückgeschickt. Seit 1945 war er auf verschiedenen Posten für Wirtschaftsfragen zuständig. In der ersten Nagy-Regierung wurde er zunächst Stellvertretender Premierminister, dann Innenminister. Im Juli 1956 wählte ihn das Zentralkomitee der Ungarischen Arbeiter Partei zum Generalsekretär. Am Abend des 23. Oktober 1956 ersuchte er in einem Telefonat mit Chruschtschow die sowjetische Seite um militärische Hilfe. Auf Empfehlung von Mikojan und Suslov wurde er am 25. Oktober vom Zentralkomitee der Ungarischen Arbeiterpartei abgelöst und zusammen mit seiner Familie nach Moskau gebracht. Im Februar 1957 verwehrte ihm ein Beschluss der Kádár-Regierung die Rückkehr nach Ungarn. Seine „Verbannung“ wurde jedoch bereits im März des gleichen Jahres aufgehoben. 1960 kehrte er nach Ungarn zurück. Bis zu seinem Tod, am 12 März 1980, bestritt er seinen Lebensunterhalt mit Übersetzungsarbeiten.
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Hegedüs, András (1922-1999)
Nach seinem Abitur im evangelischen Lyzeum in Sopron begann András Hegedüs ein Studium an der Fakultät für Elektroingenierurwesen der Technischen Universität in Budapest. Während der Nazibesetzung betätigte er sich politisch in der Friedenspartei und wurde Mitglied des Sekretariates des Bundes der Kommunistischen Jugend. Ab Januar 1956 wurde er Sekretär der Jugendorganisation der Kommunistischen Partei und Sachverständiger der Partei in Agrarfragen. In der ersten Nagy-Regierung bekleidete er als Landwirtschaftsminister den Posten des Ersten Stellvertretenden Präsidenten des Ministerrates. Nach der Ablösung Nagys war er Präsident des Ministerrates. Hegedüs unterzeichnete für die ungarische Seite das Warschauer Abkommen. Am 24. Oktober ernannte man ihn zum Stellvertretenden Premierminister. Am 28. Oktober unterschrieb er die offizielle Bitte des ungarischen Ministerrates um sowjetische militärische Hilfe. Am 29. Oktober wurde er in die Sowjetunion gebracht. Bis September 1958 studierte er Soziologie in Moskau. Ab 1962 wurde er Mitarbeiter des Volkswirtschaftsinstitutes der Ungarischen Akademie der Wissenschaften und Stellvertretender Präsident des Zentralen Statistischen Amtes. Ab 1963 leitete er die soziologische Forschungsgruppe der Ungarischen Akademie der Wissenschaften. Seine Kritik am Truppeneinmarsch des Warschauer Paktes in die Tschechoslowakei 1968 kostete ihn seine Stelle. 1973 wurde gegen ihn Anklage wegen Revisionismus erhoben und er wurde aus der Partei ausgeschlossen. Zwischen 1975 und 1990 versuchte er mit Vorträgen in verschiedensten europäischen Ländern die Aufmerksamkeit der Welt auf Osteuropa zu lenken. Im Dezember 1986 beteiligte er sich an der illegalen Konferenz über 1956.
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Kádár, János (1912-1989)
János Kádár wurde in Fiume geboren. Sein ursprünglicher Name lautete Csermanek. Seine Mutter arbeitete als Magd, wurde jedoch kurz nach der Geburt ihres Sohns entlassen. Kádár verbringt seine Kindheit in Kapoly im Komitat Somogy bei Pflegeeltern. Nachdem er in Budapest die Grundschule besucht hatte, absolvierte er eine Ausbildung zum Schreibmaschinenmechaniker. 1931 trat er in den illegalen Verband der Kommunistischen Jungarbeiter und in die Ungarische Partei der Kommunisten ein. Er erhielt den Decknamen János Barna. 1931 wurde er verhaftet, jedoch aufgrund Beweismangels wieder freigelassen. Trotzdem stand er weiterhin unter Beobachtung der Polizei.
1933 übernahm er die Funktion des Sekretärs des Zentralkomitees des Verbandes der Kommunistischen Jungarbeiter. Er wurde erneut verhaftet und wegen seiner kommunistischen Aktivitäten im Oktober desselben Jahres zu zwei Jahren Haft verurteilt. Im Gefängnis lernte er andere inhaftierte Kommunisten wie Mátyás Rákosi kennen.
Nach seiner Freilassung war er als Hilfsarbeiter tätig und kam mit der Sozialdemokratischen Partei in Berührung. 1941 wurde er Mitglied des Gebietskomitees und ab Mai Mitglied des Zentralkomitees der Kommunistischen Arbeiter Partei. Ab Dezember 1942 übernahm er den Posten des Sekretärs und ab Februar 1943 des Leitenden Sekretärs des Zentralkomitees. Er erhielt seinen neuen Namen: János Kádár.
Im Juni 1943, nach der Auflösung der Kommunistischen Internationale, löste er die Kommunistische Arbeiterpartei (KMP) auf und gründete die Friedenspartei. 1944 wurde er nach Jugoslawien geschickt, um Kontakte zu den in Jugoslawien emigrierten Kommunisten aufzunehmen. An der Grenze verhaftete man ihn. Da es ihm gelang, seine wahre Identität vor den Behörden zu verbergen, erhob man gegen ihn lediglich eine Klage wegen Desertion und verurteilte ihn zu zwei Jahren Haft. Es gelang ihm aus dem Gefängnis nach Budapest zu fliehen, wo er kurz darauf vom Budapester Zentralkomitee zum Stellvertretenden Chef der Polizei ernannt wurde. In den nächsten Jahren nahm er immer wichtigere Positionen in der Partei ein. Als Innenminister zwischen 1948-1950 war er maßgeblich an der Inszenierung des Rajk-Prozesses beteiligt. Im Frühling 1951 wurde er verhaftet, aller seiner Ämter enthoben und zu lebenslanger Haft verurteilt. 1954 erfolgten die Rehabilitierung und Freilassung. Kádár konnte seine politische Karriere in der Partei fortsetzen und wurde im Juli 1956 zum Stellvertretenden Sekretär des Ausschusses der Ungarischen Arbeiter Partei gewählt. Am 25. Oktober 1956 ernannte man ihn sogar zum Sekretär des Ausschusses. Am 30. Oktober wurde er Regierungsmitglied und Staatsminister.
Am 1. November verließ er Ungarn und wechselte zu den Sowjets. Zwischen dem 2. und 4. November nahm er an den Krisensitzungen des Präsidiums des Zentralkomitees der KPdSU in Moskau teil und wurde dort an die Spitze der Gegenregierung gestellt.
Am 4. November verkündete er in einer Radioansprache die Gründung der Ungarischen Revolutionären Arbeiter- und Bauern-Partei. Bis zum Juni 1957 nahm er die Position des Ersten Sekretärs der Ungarischen Sozialistischen Arbeiter-Partei ein. Zwischen 1961 und 1965 übt er das Amt des Vorsitzenden des Ministerrates und bis 1985 des Ersten Sekretärs des Zentralkomitees der Ungarischen Sozialistischen Arbeiter-Partei aus. 1988 ernannte man ihn zum Präsidenten der Ungarischen Sozialistischen Arbeiter-Partei. Bereits im Mai gab er seine Ämter aus gesundheitlichen Gründen auf. Nach langer Krankheit verstarb Kádár am 6. Juli 1989 – dem Tag der feierlichen Umbettung der sterblichen Überreste von Imre Nagy in Budapest.
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Kéthly, Anna (1889-1976)
Kéthly stammte aus einer Arbeiterfamilie mit neun Kindern. 1917 trat sie in die MSZDP (Ungarische Sozialdemokratische Partei) ein. Seit 1920 war sie als Mitarbeiterin der Zeitung „Nömunkas“ (Arbeiterin) tätig. Seit 1926 bis zum Verbot der Zeitung im Jahre 1938 war sie deren Redakteurin und Herausgeberin. 1922 wurde sie als Abgeordnete in das Parlament und 1922 in den Landesausschuss der Ungarischen Sozialdemokratischen Partei gewählt.
Nachdem Ungarn im März 1944 von Nazideutschland besetzt wurde, ging sie in die Illegalität und versteckte sich mit gefälschten Papieren in einem Dorf in der Region Nógrád. Nach Ende des Krieges nahm sie aktiv an der Neuorganisation der Sozialdemokratischen Partei teil. Als Delegierte ihrer Partei beteiligte sie sich ab dem 2. April 1945 an der Arbeit der Nationalversammlung; im Ergebnis der Wahlen im November 1945 trat sie in die Nationalversammlung ein. Sie wurde in den politischen Ausschuss der Partei kooptiert und gleichzeitig zur Fraktionsvorsitzenden und Stellvertretenden Präsidentin der Nationalversammlung gewählt. Sie setzte sich für das öffentliche Ansehen ihrer Partei und für die Wiederaufnahme ihrer Auslandskontakte ein (z.B. zur englischen Labour Party). Sie trat gegen die Fusion der Ungarischen Sozialdemokratischen Partei und der Ungarischen Kommunistischen Partei ein.
1948 wurde sie erst aus dem Parteiausschus, dann auch aus der Sozialdemokratischen Partei ausgeschlossen. Kurz darauf verwehrte man ihr das Parlamentsmandat. Am 9. Juni 1950 verhaftete sie der ungarische Staatssicherheitsdienst. Nach dreijähriger Inhaftierung wurde sie im Januar 1954 wegen Spionage und staatsfeindlicher Aktivität zu lebenslanger Haft verurteilt. Internationale Proteste führten aber bereits im November desselben Jahres zu ihrer Freilassung.
Nach dem Ausbruch der Revolution spielte sie eine führende Rolle in der Neuorganisierung der Sozialdemokratischen Partei und wurde am 31. Oktober zur Präsidentin der Partei gewählt.
Am 1. November reiste sie zur Sitzung der Sozialistischen Internationale in Wien. In ihrer Abwesenheit wurde sie am 3. November zur Staatsministerin der ungarischen Regierung gewählt. Ihre Rückkehr nach Ungarn wurde nach der sowjetischen militärischen Intervention unmöglich. Sie nahm daraufhin in New York an der Versammlung der UNO teil.
Im Januar 1957 wurde sie in Straßburg zur Präsidentin des Ungarischen Revolutionsrates gewählt. Ab 1957 war sie Chefredakteurin der in London erscheinenden Zeitung „Népszava“. 1970 gründete sie die Zeitung „Szozialdemokrata Szemle“ und blieb bis 1973 deren Chefredakteurin. 1962 wurde sie vom Obersten Ungarischen Gerichtshof zu drei Jahren Haft verurteilt. 1976 starb sie in Blankenberge in Belgien. Ihre Überreste wurden im Oktober 1990 nach Budapest überführt und beigesetzt.
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Kovács, Béla (1908-1959)
Nach der Volksschule besuchte Béla Kovács Fachkurse für Landwirtschaft und erlernte nebenbei den Kellnerberuf. Ab 1926 arbeitete er als Landwirt. 1933 trat er in die Partei der Kleinen Landwirte (FKGP) ein. 1939 wurde Kovács zum Stellvertretenden Generalsekretär und Parlamentskandidaten seiner Partei gewählt. 1941 wählte ihn der Bund der Ungarischen Bauern zum Generalsekretär. In der Provisorischen Regierung von Debrecen war er Staatssekretär des Inneren und später Landwirtschaftsminister. 1945 wurde Kovács zum Generalsekretär seiner Partei gewählt und gab deshalb den Posten des Landwirtschaftsministers auf.
Am 25. Februar 1947 wurde Kovács von den sowjetischen Behörden verhaftet und ohne Gerichtsverhandlung zur 20 Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Ihm wurde vorgeworfen, eine Verschwörung gegen die Republik vorbereitet zu haben. Acht Jahre später 1955 wurde er aus der Sowjetunion wieder nach Ungarn gebracht und im April 1956 freigelassen. Während der Revolution war er maßgeblich an der Wiederbelebung der Partei der kleinen Landwirte beteiligt. Am 3. November wurde er zum Präsidenten der Partei gewählt und noch am gleichen Tag auch zum Landwirtschaftsminister der Nagy-Regierung ernannt. Nach dem 4. November bemühte er sich um einen Ausgleich mit der Ungarischen Sozialistischen Arbeiterpartei und verhandelte mit Kádár. Im November 1958 wurde er Parlamentsabgeordneter, konnte den Posten aber aufgrund der gesundheitlichen Folgen seiner Gefangenschaft in der Sowjetunion, nicht mehr antreten. Er verstarb am 21.06.1959 in Pécs.
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Lukács, Georg (1885-1971)
Georg Lukács wurde am 13. April 1885 als Sohn eines Bankiers in grossbürgerliche Verhältnisse hineingeboren. Nach dem Abitur 1902 begann er zunächst Jura und Nationalökonomie an der Universität von Budapest zu studieren, wechselt jedoch nach kurzer Zeit zur Philosophischen Fakultät. Nach der Promotion im Jahre 1909 folgen weitere Studienaufenthalte in Berlin, Heidelberg und Florenz. Im ersten Weltkrieg vom Militärdienst befreit, beginnt sich Lukács vom deutschen Idealismus ausgehend mit Marx und dem Marxismus zu befassen. Kurz nach der Gründung der Kommunistischen Partei Ungarns (KPU) im November 1918, stellt er − mit seiner Herkunft brechend − den Antrag auf Mitgliedschaft. Bereits im Frühjahr 1919 rückt er in das Zentralkomitee auf und wird nach dem bewaffneten Aufstand vom Mai 1919 „Volkskommissar für das Unterrichtswesen“. Nach der Niederschlagung der Räterepublik im August 1919 flieht Lukács nach Wien, wo er auf ein Auslieferungsgesuch der ungarischen Regierung hin verhaftet wird. Aufgrund eines Aufrufes von zahlreichen Schriftstellern – darunter Heinrich und Thomas Mann – verzichtete Österreich auf die Auslieferung und gewährt Lukács bis 1930 politisches Asyl. Während des Wiener Exils publizierte er „Geschichte und Klassenbewusstsein“ (1923) sowie die sogenannten „Blum-Thesen“, ein Programm für den ungarischen Kommunismus. Von dieser Schrift musste sich Lukács unter Androhung des Parteiausschlusses im November 1929 distanzieren. Nach der Ausweisung aus Österreich 1930 geht Lukács zunächst nach Moskau, dann nach Berlin und flieht 1933 wiederum nach Moskau. Im Moskauer Exil arbeitet er in verschiedenen wissenschaftlichen Instituten und Redaktionen, ab 1942 ist er Mitarbeiter in der Sektion Literatur der Moskauer Akademie der Wissenschaften. In dieser Zeit entwickelt Lukács die Grundzüge seiner Literaturtheorie des „Realismus“ des bürgerlichen Romans. Während der Moskauer Zeit enthält sich Lukács weitgehend der politischen Tätigkeit und entgeht so dem stalinistischen Terror. Im Dezember 1944 reist Lukács unmittelbar nach der Niederlage der deutschen Besatzung zurück nach Budapest und erhält 1945 eine Professur für Ästhetik und Kulturphilosophie an der Universität Budapest. Vom 1949-1955 ist er Mitglied des ungarischen Parlamentes und des Präsidiums der Akademie der Wissenschaften in Budapest. Seine Schriften zur Entstehung des Faschismus aus der deutschen Philosophie des 19. Jahrhunderts (Die Zerstörung der Vernunft, 1954) machten Lukács international bekannt und gaben − vor allem in der DDR − auf Jahrzehnte das Erklärungsmuster vor. Lukács´ Schriften avancierten dort zu einer Art Handbuch für die proto-faschistische Kontamination der deutschen Geistesgeschichte; auf diesem Wege beeinflusste Lukács die Rezeptionsgeschichte bestimmter Texte. Auch in der Auseinandersetzung zwischen Existenzialismus und Marxismus in den 1950er Jahren spiegelt sich der intellektuelle Einfluss Lukács’.
Eine aktive politische Rolle übernimmt Lukács erstmals wieder in der Ungarischen Revolution von 1956. Im Juni 1956 leitet er die Debatte des Petöfi–Kreises zur Philosophie. Im Oktober 1956 rückt Lukács in das Zentralkomitee der Partei ein und wird unter der Regierung Nagy Minister für Volksbildung. Als Nagy den Austritt Ungarns aus dem Warschauer Pakt erklärt, verlässt Lukács aus Protest die Regierung. Trotzdem bezahlt Lukács seine Beteiligung an dem ungarischen Aufstand nach 1956 mit einer mehrere Monate andauernden Verbannung nach Rumänien, dem Ausschluss aus der Partei, dem Verlust seines Lehrstuhles sowie einem allgemeinen Lehr- und Publikationsverbot. In der offiziellen Sprachreglung galt Lukács fortan als „revisionistisch“. Im Laufe der 1960er Jahre setzt sich nicht nur in Ungarn eine differenziertere Bewertung des Philosophen durch. Ab Mitte der 1960er Jahren beginnt Lukács wieder zu publizieren, 1969 erfolgt die Wiederaufnahme in die Ungarische Sozialistische Arbeiterpartei. Am 4. Juni 1971 stirbt er an den Folgen einer Krebserkrankung in Budapest. Der Nachlass wird seit 1972 in der Ungarischen Akademie der Wissenschaften aufbewahrt.
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Maléter, Pál (1917-1958)
Pál Maléter wurde in Eperjes (in der heutigen Slowakei) geboren. Nach seinem Abitur begann er ein Medizinstudium in Prag. Nach vier Semestern unterbrach er sein Studium und zog in seine Heimatstadt Eperjes zurück. Aufgrund seiner Rolle in der Vereinten Ungarischen Partei geriet er in Konflikt mit der slowakischen Diktatur. 1938 zog er zu seiner Schwester nach Budapest, wo er sein Medizinstudium wieder aufnahm, welches er aber aufgrund finanzieller Engpässe erneut abbrechen musste. Um die ungarische Staatsbürgerschaft zu erlangen, meldete er sich als Freiwilliger zum ungarischen Militärdienst. 1940 wurde er an der Ludovika Akademie aufgenommen. Nachdem er diese absolviert hatte, diente er in Kassa und wurde 1944 an die Ostfront geschickt, wo er in russische Gefangenschaft geriet. Er meldete sich freiwillig zum Kampf gegen Nazideutschland. Daraufhin wurde er als Partisan ausgebildet und kam 1944 in Transsylvanien zum Einsatz.
Ab Januar 1945 war er Befehlshaber des Bataillons zum Schutz der Ungarischen Übergangsregierung.
Bis zum Ausbruch des ungarischen Aufstandes 1956 war er Oberst. Am 25. Oktober 1956 sollte er auf Befehl des Generalstabes die in der Kilian Kaserne von Aufständischen eingeschlossenen Einheiten unterstützen. Nur sein Auto gelangte bis zur Kaserne, wo er mit Erlaubnis des Generalstabes eine Feuerpause aushandelte. Nach Ablauf der Feuerpause, am 27. und 28., nahm er einen Teil der Kaserne unter seine Kontrolle. Als er Nachricht über die von der ungarischen Regierung befohlene Feuerpause erhielt, stellte er den Kampf gegen die Aufständischen ein. Auf Befehl von Imre Nagy war er bei den Verhandlungen mit den Abgesandten der Arbeiterräte anwesend.
Am 1. November wurde er vom Ministerpräsidenten Imre Nagy zum stellvertretenden Verteidigungsminister und am 3. November zum Verteidigungsminister ernannt. In dieser Funktion war er bei den Verhandlungen mit der russischen Militärführung anwesend.
Während der Fortsetzung dieser Verhandlungen auf der russischen Militärbasis in Tököl, wurde Maléter von KGB-Chef General Serov verhaftet. Am 15. Juni 1958 machte man ihm den Prozess, in dem er ohne Berufungsmöglichkeit zum Tode verurteilt und am nächsten Tag hingerichtet wurde.
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Mansfeld, Péter(1941-1959)
Nach der Grundschule begann Mansfeld eine Ausbildung als Dreher. Im Oktober 1956 schloß er sich den Aufständischen am Széna-Platz in Budapest an. Er nahm nicht direkt an den Kämpfen teil, transportierte jedoch Waffen und Lebensmittel.
Am 5. November drang er in die Villa des Innenministers László Piros ein und entwendete dort eine Schusswaffe, die er zuhause versteckte.
Nach dem Scheitern des Aufstandes setze er seine Ausbildung fort. 1957 verurteilte man ihn zu einem Jahr Haft. Das Urteil wurde jedoch in eine Bewährungsstrafe umgewandelt. Im Februar 1958 entschloß er sich gemeinsam mit einem Freund eine bewaffnete Gruppe zu gründen. Sie verfolgte das Ziel, verhaftete Freunde zu befreien und sich an Denunzianten zu rächen. Waffen sollten durch die Entwaffnung von Polizisten und Mitgliedern der Arbeitermiliz verschafft werden. Am 17. Februar entführten die Jugendlichen einen Polizisten, der die Österreichische Botschaft bewachte. Sie entwaffneten ihn und ließen ihn danach frei. Weitere Aktionen blieben erfolglos. Am 19. Februar wurde Mansfeld verhaftet und zu lebenslanger Haft verurteilt. Später wurde das Urteil in die Todesstrafe umgewandelt. Am 19. März 1959, elf Tage nach seinem 18. Geburtstag, wurde er hingerichtet.
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Mindszenty, Jozsef (1892-1975)
Jozsef Mindszenty erfuhr 1915 die Weihe zum Priester. 1927 wurde er bischöflicher Beauftragter der Diözese Zala. 1940 beauftragte ihn der ungarische Premierminister Pal Teleki damit, den Nationspolitischen Dienst in Transdanubien zu organisieren, wo die Naziideologie unter der deutschen Minderheit Fuß zu fassen begann. Im März 1944 wurde er Bischof von Veszprém. Im November 1944 wurde er verhaftet und nach Sopronköhida verschleppt, wo er bis zum Einmarsch der sowjetischen Truppen in Haft blieb. Im September 1945 ernannte ihn Papst Pius XII. zum Erzbischof von Esztergom und 1946 zum Kardinal. Mindszenty kämpfte entschieden gegen den immer stärker werdenden stalinistischen Einfluss in Ungarn und wurde am 26. Dezember 1948 verhaftet und zu lebenslanger Haft verurteilt. 1955 verbrachte man ihn aus der Haftanstalt nach Felsöpetenye in der Region Nograd um ihn dort unter Hausarrest zu stellen. Am 30. Oktober 1956 beendete der ungarische Staatssicherheitsdienst AVH die Überwachung Mindszentys und ließ ihn frei.
Am 31. Oktober kam Mindszenty mit militärischem Geleit nach Budapest. Während der nächsten Tage empfing er hochrangige ungarische und ausländische Besucher und veröffentlichte eine Presseerklärung. Am 3. November wandte er sich in einer Radioansprache an die Ungarische Nation. In seiner Erklärung setzte er sich für die Einheit der Ungarischen Nation ein. Am 4. November zitierte ihn Zoltán Tildy ins Parlament. Kurz darauf begab er sich in die Botschaft der Vereinten Staaten von Amerika, wo ihm politisches Asyl gewährt wurde. 1971 verließ er im Rahmen einer Vereinbarung zwischen den USA, Ungarn und dem Vatikanstaat Ungarn. Vier Jahre später, 1975, starb er in Wien. Sein Grab in Mariazell wurde zu einer Pilgerstätte. Seine sterblichen Überreste kamen 1991 nach Ungarn und wurden in der Krypta der Basilika von Esztergom beigesetzt.
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Nagy, Imre (1896-1958)
Imre Nagy wurde in Kaposvár geboren. Nach vier Jahren Gymnasium machte er eine Schlosserlehre und leistete zwischen 1914 und 1916 Kriegsdienst im Ersten Weltkrieg. 1916 geriet Nagy in russische Kriegsgefangenschaft und kam dort zum ersten Mal mit bolschewistischem Gedankengut in Verbindung. Als sowjetischer Bürger kämpft er 1917 für die Rote Armee. 1919 kehrt er nach Ungarn zurück, flüchtete jedoch nach dem Scheitern der kommunistischen Räteregierung erneut in die Sowjetunion. 1921 wieder in Ungarn zurück wurde er Mitglied der Sozialdemokratischen Partei, aus der er jedoch wegen seiner linksextremen Positionen ausgeschlossen wurde.
Von 1927 bis 1928 wurde er in Ungarn inhaftiert.1929 emigrierte er wiederum in die Sowjetunion, wurde dort Mitarbeiter Nikolai Bucharins und arbeitet das Agrarprogramm der Kommunistischen Partei aus.Während des Zweiten Weltkrieges arbeitet er in Moskau beim Rundfunk und war dort für Sendungen in ungarischer Sprache verantwortlich.
Ende 1944 kehrte er nach Ungarn zurück. 1947 bis 1949 war er ungarischer Parlamentspräsident. 1953 wurde er zum Ministerpräsidenten ernannt und versuchte umfangreiche wirtschaftliche und politische Reformen durchzuführen. 1955 verlor er alle seine Ämter und wurde aus der Partei ausgeschlossen.
Am 23. Oktober 1956 kehrte er auf Forderung der Aufständischen in die höchste Führungsebene der Partei zurück und wurde erneut Ministerpräsident.
In dieser Funktion versuchte er einerseits, die wichtigsten Ziele der Revolution gegenüber der der Ungarischen Arbeiterpartei (MDP) und der sowjetischen Führung durchzusetzen. Er trat für den Abzug der sowjetischen Truppen, das Mehrparteiensystem und die Neutralität Ungarns ein
Am 4. November 1956 fanden er und seine Mitarbeiter in der jugoslawischen Botschaft Zuflucht. Am 22. November wird er entgegen der Zusicherung Kádárs von sowjetischen Beamten verhaftet und nach Rumänien transportiert.
Am 12. April wird Nagy in Snagov offiziell verhaftet. Im Juni wird er wieder an die Ungarn ausgeliefert, wo ihm am 15. Juni 1958 der Prozess gemacht wird. Man verurteilte ihn zum Tode und richtete ihn am darauf folgenden Tag hin.
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Pálinkás (Pallavicini), Antal (1922-1957)
Antal Pálinkás (Pallavicini) stammte aus einer aristokratischen Familie. Nach seinem Abitur arbeitete er kurze Zeit in der Manfred-Weiss-Maschinenfabrik in Csepel. Im Dezember 1940 meldete er sich freiwillig zum Militärdienst. Ab 1941 studierte er an der Militärakademie Ludovika. Nach Ungarns Besetzung durch die Deutschen schloß er sich der antifaschistischen Bewegung an. Nachdem die Führer der antifaschistischen Bewegung 1944 aufgeflogen waren, überquerte er die Frontlinie und geriet in Temesvár in sowjetische Gefangenschaft. 1946 kehrte er nach Ungarn zurück. 1947 trat er in die MKP (Ungarische Kommunistische Partei) ein. Ab 1955 war er Offizier in Rétság. 1956 wurde er Kommandeur eines Regiments.
Während des Aufstandes wurde er zum Präsidenten des Revolutionären Militärrates des Regimentes in Rétság gewählt. Er stand in Verbindung mit den Aufständischen und versorgte sie mit Waffen und Munition. Am 31. Oktober organisierte er die militärische Begleitung von József Mindszenty und seinen Schutz im Palast des Erzbischofs in der Úri Strasse in Budapest. Danach kehrte er nach Rétság zurück, wo er sich am 4. November auf Weisung von Generalmajor Gyula Váradi den einmarschierenden sowjetischen Truppen ergab. Am 25. Dezember 1956 wurde er verhaftet, zum Tode verurteilt und hingerichtet.
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Rajk, László(1909-1949)
Rajk absolvierte ab 1927 ein Studium der ungarischen und französischen Sprache und Literatur in Budapest. Seit 1930 betätigte er sich in der illegalen kommunistischen Bewegung. Er wurde mehrmals verhaftet und konnte deshalb sein Studium nicht abschließen. Wegen eines von ihm mitorganisierten Bauarbeiterstreiks wurde er des Landes verwiesen. Er nahm am spanischen Bürgerkrieg teil und wurde dort schwer verwundet. Nach dem Sturz der spanischen Republik ging er nach Frankreich und wurde dort interniert. Nach Ungarn zurückgekehrt wurde er dort erneut festgesetzt. Nach seiner Freilassung im September 1944 wurde er Sekretär des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei und gehörte zu den leitenden Figuren der ungarischen Widerstandsbewegung. Im Dezember 1944 verhafteten ihn die Pfeilkreuzler und deportierten ihn nach Deutschland. Am 15. Mai 1945 kehrte er nach Ungarn zurück und betätigte sich erneut auf der Führungsebene der kommunistischen Partei. Zwischen März 1946 und August 1948 war er ungarischer Innenminister. Während seiner Amtszeit begann die Zerschlagung der ungarischen Zivilgesellschaft. Er organisierte die ersten Schauprozesse und war mitverantwortlich für den Wahlbetrug der Kommunisten im Jahre 1948 (Operation Blauer Zettel). Er ging gnadenlos gegen jegliche antistalinistischen Tendenzen vor.
1948 entband man ihn seines Amtes als Innenminister, 1949 wurde er verhaftet. Im Rahmen eines Schauprozesses verurteilte man ihn zu Tode und richtete ihn hin. Nach seiner postumen Rehabilitierung im Jahre 1955 wurde er am 6. Oktober 1956 unter großer Anteilnahme der Bevölkerung feierlich beerdigt. Die Trauerkundgebung mündete in eine Demonstration gegen die Politik Rákosis.
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Rákosi, Mátyás (1892-1971)
Rákosi wurde in der Stadt Ada geboren. Nach seinem Abitur absolvierte er eine kaufmännische Ausbildung. Zwischen 1910 und 1912 arbeitete er als Praktikant bei verschiedenen Großfirmen in Hamburg und London. 1910 wurde er Mitglied in der Sozialdemokratischen Partei. 1914 kehrte er nach Ungarn zurück und meldete sich zum Freiwilligen Militärdienst. Anfang 1915 wurde er an die Ostfront geschickt und geriet im April desselben Jahres in russische Kriegsgefangenschaft.
Anfang 1918 gelang es ihm zu fliehen und im Mai kam er zurück nach Ungarn. Im November 1918 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern der Ungarischen Partei der Kommunisten. Als Führungsmitglied der Partei verhaftete man ihn im Februar 1919, er wurde jedoch bald wieder auf freien Fuß gesetzt. Während der Räterevolution fungierte er als Oberster Befehlshaber der Roten Garde („Vörös Örség“). Im Juli 1919 floh er nach Wien, wo er mit anderen emigrierten Kommunisten interniert wurde.
Nach seiner Freilassung im Jahre 1920 wurde er wegen seiner Rede am 1. Mai zur persona non grata in Österreich erklärt. Er begab sich daraufhin in die Sowjetunion und nahm aktiv an der Arbeit des Exekutionskomitees der Kommunistischen Internationale teil. 1924 kehrte er illegal nach Ungarn zurück und betätigte sich erneut in der ungarischen kommunistischen Bewegung. Im August 1925 wurde er verhaftet und zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt. Nach Ende seiner Haftstrafe stellte man ihn wegen seiner Aktivitäten während der Räterepublik erneut vor Gericht. Er wurde zu lebenslanger Haft verurteilt. 1940 entließ man ihn unter der Bedingung, dass er unverzüglich in die Sowjetunion abreiste. In Moskau gehörte er zu den führenden Persönlichkeiten der in die Sowjetunion emigrierten ungarischen Kommunisten und arbeitete als Redakteur für Radio Kossuth. Am 30. Januar 1945 kehrte er nach Ungarn zurück und bekleidete nach den Parlamentswahlen von 1945 den Posten eines Staatsministers. Nach den Wahlen im Jahr 1947 wurde er Stellvertretender Premierminister und Staatsminister. Ab dem 10. März 1948 gehörte er dem gemeinsamen Parteikomitee der Ungarischen Kommunistischen Partei und der Sozialdemokratischen Partei an; am 19. März wurde er dessen Präsident. Am 12. Juni ernannte man ihn zum ersten Sekretär der Ungarischen Arbeiter-Partei.
1952 wählte ihn das ungarische Parlament zum Präsidenten des Ministerrates, bereits im Juni des folgenden Jahres verlor er diesen Posten wieder.
Er gehörte zu den Gegnern der Politik des neuen Kurses von Imre Nagy. Ab Januar 1956 stieg er erneut zur wichtigsten Person in der ungarischen Führung auf. Es gelang ihm jedoch nicht, die sich zuspitzenden innen- und außenpolitischen Probleme des Landes zu bewältigen. Rákosi wurde von der Funktion des Ersten Sekretärs auf der Sitzung des Zentralausschusses der Ungarischen Arbeiter Partei entbunden und nicht einmal mehr in den Parteiausschuss gewählt. Unter dem Vorwand einer ärztlichen Behandlung reiste er in die Sowjetunion. Während des Aufstandes befand er in Moskau. Erfolglos versuchte er beim Zentralkomitee der KPdSU sowie in persönlichen Briefen an Chruschtschow Unterstützung für seine Rückkehr zu erwirken. Er wurde im Juni 1957 aus Moskau nach Krasnodar, dann nach Tokmak in Kirgisien und letztlich nach Gorki umgesiedelt.
Im August 1962 wurde er aus der Partei ausgeschlossen. Im April 1970 stimmte das Plenum der Partei seiner Rückkehr unter der Bedingung zu, dass er sich von jeglichen politischen Aktivitäten fernhielte. Rákosi lehnte dies jedoch ab. Er starb am 5. Februar 1971 in Gorki. Seine sterblichen ÜberresteAsche wurden am 16. Februar 1971 heimlich nach Ungarn transportiert.
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Steiner, Lajos (1930-1958)
Nachdem er vier Jahre die Grundschule besucht hatte, fing Lajos Steiner bei seinem Pflegevater an, als Fuhrmann zu arbeiten. Später verdiente er sein Geld als Gelegenheitsarbeiter. Wegen Diebstahls wurde er zur acht Monaten Haft verurteilt. Die Strafe wurde ein Jahr darauf auf anderthalb Jahre erhöht. Nach seiner Freilassung leistete er Militärdienst, wo er wegen unerlaubten Verlassens der Kaserne zu 10 Monaten Haft verurteilt wurde. Nach seinem Militärdienst arbeitete er als Chauffeur.
Am 28. Oktober 1956 schloß er sich der Nationalgarde im 7. Bezirk in Budapest an, wo er bald zum Kommandant wurde. Seine Truppe patrouillierte im Bezirk, verhaftete Offiziere des ungarischen Staatssicherheitsdienstes AVH und brachte sie ins Gefängnis. Er nahm an dem Sturm auf das Parteigebäude am Köztársaság Platz teil.
Am 1. November verhinderte er mit seiner Einheit die Plünderung des Parteigebäudes im 7. Bezirk von Budapest. Am 3. November beteiligte er sich an der Generalversammlung der Kommandanten der bewaffneten Gruppen. Zwischen dem 4. und 9. November kämpfte er gegen die vorrückenden sowjetischen Truppen. Nach der Niederschlagung des Aufstandes wurde er in der Zeitung „Népszava“ als Kommandant der bewaffneten Truppen im 7. Bezirk in Budapest identifiziert. Er verließ deshalb Ungarn und ging in die Bundesrepublik Deutschland. Auf eine Amnestie hoffend, kehrte er im Sommer 1957 mit Hilfe der Ungarischen Botschaft in Wien in seine Heimat zurück. Nach seiner Rückkehr wurde er sofort verhaftet, zum Tode verurteilt und hingerichtet.
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Tildy, Zoltán (1889-1961)
Tildy studierte an der Protestantischen Theologischen Fakultät in Papa und war seit 1921 Pastor und Redakteur der protestantischen Tageszeitung „Christliche Familie“. Von 1929-1930 übte er das Amt des geschäftsführenden Präsidenten der von ihm mitbegründeten Unabhängigen Kleinbauern Partei aus. Seit 1936 saß er als Abgeordneter in der Ungarischen Nationalversammlung. Ab 1940 war er Präsident der Unabhängigen Kleinbauernpartei. Er gehörte zu den ersten, die sich bei Premierminister Miklós Kallai und bei Miklós Horty für die Auflösung des deutsch-ungarischen Kriegsbündnisses einsetzten. Tildy gehörte zu den Verfassern eines Memorandums der Ungarischen Kleinbauer Partei gegen den Krieg.
Nach Ungarns Besetzung durch deutsche Truppen verschwand er von der ungarischen politischen Szene, war aber nach dem Ende des Krieges wieder in der Parteiführung der Ungarischen Kleinbauern Partei tätig.
Ab dem 15. November 1945 ernannte man ihn zum ungarischen Premierminister. Am 1. Februar erfolgte seine Wahl zum Präsidenten der Ungarischen Republik. Im Juli 1948 wurde er entmachtet und bis 1956 unter Hausarrest gestellt. Ab dem 27. Oktober 1956 gehörte er der Koalationsregierung unter Imre Nagy an und hatte dort defacto den Posten des Stellvertretenden Premierministers inne. Während dieser Zeit knüpfte er Kontakte zu den Bauernorganisationen und zu den Kirchen. Im Prozess gegen Nagy wurde er zu sechs Jahren Haft verurteilt, jedoch aufgrund seines hohen Alters im April 1959 vorzeitig entlassen. Bis zu seinem Tod lebte er in vollkommener Zurückgezogenheit.
(wird fortgeführt und erweitert)